Ratgeber
GastronomieLieferando-Alternative: Warum eine eigene Bestellseite für Ihr Restaurant sinnvoll ist
Bestellplattformen bringen Reichweite, behalten aber bei jeder Bestellung einen Anteil. Dieser Ratgeber zeigt, wie Provisionen wirken, was ein eigenes Bestellsystem braucht und wie Plattform und eigene Seite zusammenpassen.

Wie Plattform-Provisionen wirken
Lieferando und vergleichbare Plattformen verdienen pro Bestellung. Nach aktuellen Branchenübersichten liegt die Provision bei Lieferando bei ca. 13 Prozent, wenn das Restaurant selbst liefert, und bei bis zu 30 Prozent, wenn Lieferando-Fahrer ausliefern (gastro-master.de, 17.04.2026; gastroinsider.de, 2026, nennt 13–14 bzw. 30–31 Prozent).
Die AGB nennen keine festen Sätze, der genaue Prozentsatz wird im Vertrag vereinbart. Ihr Wert kann also abweichen.
Dazu kommen je nach Vertrag Gebühren für Zahlungsabwicklung, bezahlte Platzierungen in der App und Hardware-Pauschalen. Seit dem 2. April 2025 zahlen Endkunden bei Lieferung zusätzlich eine Servicegebühr von 2,5 Prozent des Warenkorbs, maximal 0,99 Euro pro Bestellung (gastro-master.de, 17.04.2026). Das trifft nicht Ihre Marge, aber Ihren Preis aus Kundensicht.
Das eigentliche Problem ist nicht die Höhe, sondern die Dauer: Die Provision fällt bei jeder Bestellung an, auch bei Stammkunden, die Sie seit Jahren kennen und die Sie ohne Plattform genauso erreichen würden. Reichweite bezahlen Sie einmal. Provision bezahlen Sie für immer.
Reichweite bezahlen Sie einmal. Provision bezahlen Sie für immer.
Rechenbeispiel: Was die Provision im Jahr ausmacht
Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen. Die Formel ist einfach:
Bestellungen pro Monat × durchschnittlicher Bestellwert × Provisionssatz × 12 = Provision pro Jahr.
Ein Beispiel mit angenommenen Werten: 400 Bestellungen im Monat, 25 Euro pro Bestellung, 13 Prozent Provision bei Eigenlieferung. Das ergibt 400 × 25 × 0,13 × 12 = 15.600 Euro im Jahr.
Beim Fahrer-Modell mit 30 Prozent wären es 36.000 Euro. Diese Zahlen sind ein Rechenbeispiel, keine Aussage über Ihren Betrieb. Setzen Sie Ihre Werte ein.
Jetzt die Gegenrechnung: Eine eigene Bestellseite kostet einmalig Entwicklung plus laufend Hosting und die Gebühren des Zahlungsanbieters, bei Stripe beispielsweise ein niedriger einstelliger Prozentsatz plus Fixbetrag pro Transaktion. Wenn nur ein Teil der Stammkunden von der Plattform auf Ihre Seite wechselt, ist die Entwicklung meist im ersten Jahr bezahlt. Den Rest sparen Sie jedes Jahr wieder.
Was ein eigenes Bestellsystem können muss
Ein Bestellsystem ist mehr als eine Speisekarte mit Warenkorb. Damit es im Alltag funktioniert und niemand in der Küche zusätzliche Arbeit hat, müssen diese Bausteine zusammenspielen:
- Speisekarte mit Varianten: Größen, Extras, Beilagen, Allergene und Zusatzstoffe. Änderbar ohne Programmierer.
- Warenkorb: Bleibt beim Seitenwechsel erhalten, zeigt Mindestbestellwert und Lieferkosten, unterscheidet Lieferung und Abholung.
- Zahlung: Kartenzahlung, Apple Pay, Google Pay, PayPal oder Barzahlung bei Lieferung. Wichtig: Der Preis wird auf dem Server geprüft, nicht im Browser, sonst lässt er sich manipulieren.
- Kassenanbindung: Die Bestellung landet dort, wo die Küche arbeitet, etwa als Bon-Drucker, Tablet oder Datensatz im Kassensystem, zum Beispiel WinOrder.
- Benachrichtigung: Sie erfahren sofort, wenn eine Bestellung eingeht, per Telegram, SMS oder Druckbon. Der Kunde bekommt eine Bestätigung mit Bestellnummer und voraussichtlicher Zeit.
- Öffnungszeiten-Logik: Außerhalb der Zeiten und kurz vor Schluss nimmt das System keine Bestellungen an. Feiertage und Ruhetage müssen sich pflegen lassen.
- Rechtliches: Impressum, Datenschutz, Allergenkennzeichnung, Preisangaben inklusive Mehrwertsteuer, Button-Beschriftung „zahlungspflichtig bestellen“, Bestätigungs-Mail.
- Mobil zuerst: Die meisten Bestellungen kommen vom Handy. Der Weg vom Öffnen der Seite bis zur bezahlten Bestellung muss in unter einer Minute funktionieren.

Beispiel: Der Pizza-Blitz-Prototyp
Um zu zeigen, wie so ein System vollständig aussieht, habe ich für die fiktive Pizzeria „Pizza Blitz“ in Bremen ein komplettes Bestellsystem gebaut. Es ist ein funktionsfähiger Prototyp inklusive Zahlungsabwicklung im Testmodus, kein Kundenprojekt.
Alle Details finden Sie in der Projektbeschreibung Pizza Blitz: Website mit eigenem Bestellsystem.
Die Kette funktioniert so: Der Kunde stellt seine Bestellung im Warenkorb zusammen und bezahlt über Stripe Checkout. Der Server prüft die Preise gegen die echte Speisekarte, damit im Browser nichts manipuliert werden kann.
Nach der Zahlung meldet Stripe die Bestellung per Webhook an einen Cloudflare Worker. Der bereitet die Daten für die Kasse (WinOrder) auf und schickt sofort eine Telegram-Nachricht an den Betrieb.
Der Kunde sieht eine Bestätigung mit Bestellnummer und einen zeitbasierten Tracker: 35 Minuten bei Lieferung, 20 Minuten bei Abholung.
Dazu kommen Öffnungszeiten-Logik mit 15 Minuten Annahmeschluss, ein Cookie-Consent im Markenlook, Karten erst nach Klick, selbst gehostete Schriften und Bilder, die um rund 80 Prozent verkleinert wurden. Die Zahlung läuft im Testmodus, das heißt mit Testkarten und ohne echtes Geld.
Für einen echten Betrieb würde ich den gleichen Aufbau mit dem Live-Konto des Restaurants übernehmen.
Plattform und eigene Seite kombinieren
Die Frage ist selten „Lieferando oder eigene Seite“, sondern „wie beides zusammen“. Plattformen bringen Neukunden, die Sie noch nicht kennen. Das ist ihr Wert, und dafür ist die Provision ein fairer Preis für die erste Bestellung.
Ab der zweiten Bestellung sieht es anders aus. Wer schon einmal bei Ihnen bestellt hat, kennt Sie.
Wenn dieser Kunde beim nächsten Mal direkt auf Ihrer Seite bestellt, sparen Sie die Provision, und der Kunde zahlt keine Servicegebühr. Genau hier setzt die eigene Bestellseite an: Sie ist der Ort für Stammkunden.
Praktisch heißt das: Plattform bleibt für Reichweite, eigene Seite wird zum Standard für alle, die Sie schon kennen. Beide Kanäle laufen parallel.
Wichtig ist, dass Bestellungen aus beiden Quellen an derselben Stelle in der Küche ankommen. Sonst entsteht Chaos.
Genau hier setzt die eigene Bestellseite an: Sie ist der Ort für Stammkunden.
Die eigentliche Hürde: Kunden auf die eigene Seite holen
Ein Bestellsystem allein bringt keine Bestellungen. Die Kunden müssen wissen, dass es die eigene Seite gibt und dass sie dort günstiger oder bequemer bestellen. Das ist Handarbeit, aber keine teure:
- Google Business Profil: Bestell-Link direkt im Profil eintragen. Wer „Pizza Bremen“ sucht, sieht Ihre Seite, nicht die Plattform. Mehr dazu unter SEO und Google Business Profil.
- Jede Lieferung: Flyer oder Aufkleber auf der Verpackung mit QR-Code zur eigenen Bestellseite. Wer über die Plattform bestellt hat, bekommt so den direkten Weg gezeigt.
- Ein kleiner Vorteil: Ein Gratis-Getränk oder ein niedrigerer Mindestbestellwert bei Direktbestellung. Sie sparen die Provision und geben einen Teil davon weiter.
- Social Media: Immer auf die eigene Seite verlinken, nie auf die Plattform.
- Speisekarte im Laden: QR-Code auf der Karte, im Schaufenster, an der Theke.

Rechtliche Punkte, die oft vergessen werden
Wer online verkauft, ist Betreiber eines Shops, auch wenn es nur um Pizza geht. Das bringt Pflichten, die die Plattform bisher für Sie erledigt hat.
Impressum und Datenschutzerklärung müssen auf die Bestellseite zugeschnitten sein, inklusive Angaben zum Zahlungsanbieter und zur Speicherung von Bestelldaten.
Der Bestell-Button muss eindeutig beschriftet sein, etwa „zahlungspflichtig bestellen“. Preise müssen inklusive Mehrwertsteuer angezeigt werden, Liefer- und Mindestbestellkosten vor dem Abschluss.
Allergene und Zusatzstoffe gehören zu jedem Gericht. Nach der Bestellung braucht der Kunde eine Bestätigung mit allen Details.
Das klingt nach viel, ist aber Standard und einmal eingerichtet. Eine Übersicht der wichtigsten Punkte finden Sie in der DSGVO-Checkliste für Websites und in der Checkliste für Restaurant-Websites.
Bei konkreten Rechtsfragen fragen Sie bitte eine Anwältin oder einen Anwalt. Ich baue die Technik so, dass die Pflichten umsetzbar sind, aber ich gebe keine Rechtsberatung.
Für wen sich eine eigene Bestellseite lohnt, und für wen nicht
Eine eigene Bestellseite lohnt sich, wenn Sie regelmäßig Bestellungen über Plattformen bekommen, einen festen Stammkundenkreis haben und bereit sind, den direkten Weg aktiv zu bewerben. Je höher Ihr Bestellvolumen, desto schneller rechnet sich die Entwicklung.
Sie lohnt sich weniger, wenn Sie gerade erst eröffnet haben und noch keine Stammkunden haben, wenn Bestellungen nur ein Nebengeschäft sind oder wenn niemand im Betrieb Zeit hat, das System zu pflegen. In dem Fall ist eine gute Website mit Speisekarte, Öffnungszeiten und Telefon-Button der bessere erste Schritt. Das Bestellsystem kann später dazukommen.
Was ich anbiete, steht unter Online-Bestellsystem für Restaurants. Was das kostet, sage ich Ihnen nach einem kurzen Gespräch als Festpreis.
Was Websites allgemein kosten, erkläre ich im Ratgeber Was kostet eine Website?.
Nachgefragt
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Lieferando-Provision aktuell?
Nach Branchenübersichten vom April 2026 liegt sie bei ca. 13 Prozent bei Eigenlieferung und bis zu 30 Prozent, wenn Lieferando-Fahrer ausliefern (gastro-master.de, 17.04.2026). Die AGB nennen keine festen Sätze, der genaue Wert steht in Ihrem Vertrag. Dazu kommen je nach Vertrag Zahlungs- und Marketinggebühren.
Kann ich Lieferando behalten und trotzdem eine eigene Bestellseite haben?
Ja, das ist sogar der übliche Weg. Die Plattform bringt Neukunden, die eigene Seite übernimmt die Stammkunden ohne Provision. Wichtig ist, dass beide Kanäle an derselben Stelle in der Küche ankommen.
Was kostet ein eigenes Bestellsystem?
Das hängt vom Umfang ab: Speisekarte, Zahlungsarten, Kassenanbindung, Lieferzonen. Ich arbeite mit einem Festpreis, den Sie vor Projektstart kennen. Laufend fallen Hosting und die Gebühren des Zahlungsanbieters pro Transaktion an, aber keine Provision auf den Bestellwert an mich.
Brauche ich ein Kassensystem für die Anbindung?
Nein. Bestellungen können auch als Telegram-Nachricht, E-Mail oder auf einem Tablet ankommen. Wenn Sie ein Kassensystem wie WinOrder nutzen, lässt sich die Bestellung dort einspielen, wie im Pizza-Blitz-Prototyp gezeigt.
Wie kommen meine Kunden auf die eigene Seite statt zur App?
Durch den Bestell-Link im Google Business Profil, QR-Codes auf Verpackung und Speisekarte, Links in Social Media und einen kleinen Vorteil für Direktbesteller. Das ist laufende Arbeit, aber sie kostet fast nichts.
Ist die Zahlung auf der eigenen Seite sicher?
Die Zahlung läuft über einen Zahlungsanbieter wie Stripe. Kartendaten berühren Ihre Seite nie. Wichtig ist, dass der Preis serverseitig geprüft wird und der Zahlungsanbieter die Bestellung per signiertem Webhook bestätigt. Genau so ist der Pizza-Blitz-Prototyp gebaut.


